„Liebt mich so wie ich bin“ ein Gastbeitrag von Pjonga

Liebe Mama, lieber Papa

Ich sehe die Welt anders als ihr, ich rieche, schmecke und fühle anders als ihr. Ich verstehe viele Dinge nicht. Warum ärgert ihr euch wenn es regnet? Ändern könnt ihr es doch eh nicht. Wieso sagt ihr Tante Anna nicht das sie in diesem Kleid schrecklich aussieht, wenn sogar euch der Anblick stört?

Andere sagen ich bin nicht normal. Aber was ist normal? Kalle mag keine Bananen und Luisa hat blonde Haare, ganz im Gegensatz zum Rest ihrer Familie.

Diese Welt ist so viel, so bunt, so laut, so voller Gerüche. Manchmal wird das alles zu viel. Ich weiß selbst nicht wieso, aber dann tut es weh, dann geht nichts mehr, ich möchte dann nur noch meine Ruhe. Es tut dann weh, in meinem Kopf, in meinem Körper.
Manchmal tue ich mir selbst weh um den Schmerz aus meinem Körper zu bekommen. Manchmal schreie ich so laut ich kann.

Papa schimpft wenn er sich mit dem Hammer auf den Finger haut, ich glaube das macht er auch um den Schmerz zu vertreiben, aber mein Schmerz kommt von tiefer, mein Schmerz bleibt, so lange bis ich meine Ruhe habe. Fass mich bitte nicht an, das tut weh, auch wenn es sanft ist. Du kannst es versuchen, aber wunder dich nicht wenn ich dich schlage, denn dann vervielfacht es meinen Schmerz.

Ich bin nicht gefühllos, ich liebe dich Mama und auch Papa, ich hätte gerne Freunde, aber ich verstehe nicht was euch bewegt, es ist anstrengend euch zu zuhören, und überfordert mich.

Wusstet ihr das die Augen der Spiegel zur Seele sein sollen? All eure Emotionen drückt ihr mit euren Augen und eurem Gesicht aus, da ich meine schon nicht verstehe, kann ich eure gar nicht einschätzen, es sei denn sie sind sehr klar. Wisst ihr eigentlich wie oft ihr etwas sagt und etwas anderes meint? Das Wetter ist blöd, wie kann es blöd sein, es ist das Wetter? Wann ist eigentlich gleich? So geht es den ganzen Tag.

Wenn ich nicht mit euch spreche, dann tue ich das nicht weil ich es nicht will, aber wie soll ich all das was mich bewegt in Worte fassen die ihr versteht? Wie kann man das Gefühl beschreiben wenn ein Sonnenstrahl auf die Haut scheint und dabei ein leichter Luftzug die Härchen am Arm aufstellt? Wie soll ich euch sagen das ich manchmal kaum atmen kann weil alles zu viel ist?

Bitte liebt mich wie ich bin. Ich brauche euren Schutz vor dem Chaos da draußen, ich brauche euer Verständnis und eure bedingungslose Liebe. Ich liebe euch, mehr als ihr glaubt, mehr als ihr jemals erfahren werdet. Bitte liebt mich auch. So wie ich bin.

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