mellissandras brief

hallo DU, ich weiß nicht viel von dir, nur das du 10 jahre alt bist und du mit der diagnose das du autist bist unglücklich bist, ich habe heute morgen im internet von der aktion gelesen, und fand die klasse und als ich ein paar der briefe gelesen hatte, mußte ich weinen, weil einer, eigentlich mehrere, dabei waren, die ich als 10 jährige damals auch gerne bekommen hätte ich versuche nämlich, auf facebook in einer gruppe, zusammen mit vielen anderen erwachsenen autisten, eltern von kleinen autisten und normneurotypischen menschen, (also die, die sich selbst als „normal“ bezeichnen, was ich ziemlich doof finde, weil ich mich auch normal finde und deshalb nenn ich die NT) anderen leuten zu erklären, was adhs und autismus ist und wie man damit besser leben kann,lernen kann, freunde findet, probleme löst die leute die da kommen und fragen stellen, das sind zum teil leute die autistische kinder in die schulbe begleiten, zum teil lehrer (ich stelle mir grade vor, wie du jetzt ungläubig guckst, ich hätte mit 10 jahren auch nicht geglaubt, das meine lehrer wen anders fragen, ob sie was besser machen können, um mir zu helfen besser lernen zu können) , es sind sogar therapeuten darunter (also leute die einem helfen können, wenn man ein problem mit was hat, traurig sein zum beispiel, oder zu schnell wütend werden, oder wie ich: schusselig sein, und oft zu schnell dinge sagen, die andere leute dann falsch verstehen…darin bin ich MEISTER, kannst du das auch so gut? ) ich bin über 5 x so alt wie du, und schon mama und sogar schon oma, ich nicht nur autistisch, ich war schon zweimal, aber erst als ich erwachsen war, bei ärzten, weil ich „irgendwie anders“ bin, beim ersten mal, da war ich 45 jahre alt,  hat man mir gesagt, das mein „andersein“ ADHS heißt, und das ich tabletten dagegen nehmen darf (das warum ich sage „darf“ erkläre ich dir gleich noch) beim zweiten mal hat der doktor mir gesagt, das ich nur „ein bißchen“ autistisch bin (was ich ihm ehrlich gesagt bis heute nicht glaube, das mit dem bißchen, den autismus an mir mag ich nämlich meistens sehr gerne, der hat mir nämlich auch geholfen in der schule meine tochter ist nur ADHS und die war mit 10 auch sehr traurig und wütend darüber, und ich wußte damals noch nicht, meine kleine chaosprinzessin all meine tricks, mit denen ich  mich durch die schule und später durch einige ausbildungen, gerettet habe, gar nicht umsetzen konnte (es lag wirklich am nicht KÖNNEN und nicht am nicht WOLLEN , ich bin mir sicher, den unterschied kennst du auch schon 😉 ) als ich so jung war wie du, wußte noch so gut wie niemand, das es gründe dafür gibt, warum manche menschen dinge ganz besonders gut können und andere dinge nicht so gut aber irgendwie hatte ich glück, ich spürte zwar das ich „anders“ war, aber das hatte keinen namen, und als ich so alt war, wie du jetzt, zog ich mit meinen großeltern in den westerwald, wir hatten da schon immer ein wochenendhaus und ich liebte es, allein oder mit meinem opa durch die wälder zu gehen, tiere zu beobachten, am bach staudämme zu bauen, auf bäume zu klettern, ich konnte richtig gut klettern, weil ich keine angst vor höhe hatte und ich war gerne alleine,weil ich dann nachdenken konnte und auf nichts von anderen menschen reagieren mußte wir zogen also um, 100 km weit weg von zuhause, und auch von meiner mutter, darüber war ich eigentlich nicht traurig, weil meine mutter ein sehr komischer mensch für mich war, zum beispiel konnte sie nie erkennen, wenn ich mich gefreut habe, und war dann richtig böse auf mich,was mich traurig machte, mir hatte niemand erklärt, wie man „ich freue mich“ richtig zeigt ich weiß nicht, ob meine großeltern das erkennen konnten bei mir, auf jeden fall waren die nie böse auf mich, okay fast nie….manchmal habe ich auch fehler gemacht, oder nicht gehört, aber selbst dann, haben sie zwar geschimpft, aber dann mit mir gemeinsam gesucht, was man ändern kann, damit das nicht nochmal passiert da war ich nun, 10 jahre alt, ein sehr seltsames mädchen aus der großstadt, in einem sehr kleinen dorf, ich hatte keine ahnung wie man freunde findet, in der großen stadt hatte ich auch nur eine freundin gehabt (die witzigerweise wahrscheinlich so war, wie meine tochter auch )  und auch noch keine ahnung, das sowas auch den rest meines lebens schwieriger für mich sein würde, als für andere mir ging das wie vielen leuten, die dir schon geschrieben haben, ich war komisch, ich mochte keine röcke tragen (hinderlich beim klettern) und überhaupt fand ich mädchen voll DOOF, die interessierten sich weder für das sonnensytem, noch für dinosaurier, und dafür wie andere völker lebten auch nicht, ich fand zu der zeit die Karl May romane spannend, und wenn mich etwas interessiert, will ich alles wissen, also wollte ich alles über indianer wissen, und ich liebte Science Fiction, ich habe mir mit 5 lesen beibringen lassen von meiner oma, und las schon ein paar jahre „Perry Rhodan“ und dann kam Star Trek im fernsehen und Spock kennst du Star Trek? https://www.youtube.com/watch?v=PYGzxga031Q ich war SO fasziniert, von ihm, er war logisch und ich habe mir, mehr als alles andere gewünscht, so klug zu sein wie er, und auch das es irgendwann raumschiffe gibt und andere humanoide ich komme aus einer zeit, die dir wie ein alptraum vorkommen muss, es gab nur 3 programme im fernsehen, das meiste langweiliger erwachsenen-kram wie politik (kann auch spannend sein, lernt man, wenn man älter ist) und telefone hatten ärgerlicher weise leitungen drann, kurze leitungen, und jedes! gespräch kostete geld, es gab keine handys (von denen die du jetzt kennst, ganz zu schweigen) , keine flatrates….und kein internet, kein youtube und kein googel wenn ich etwas wissen wollte (und ich wollte sehr viel wissen) mußte ich mir bücher kaufen lassen, dummerweise verdiente meine mama nicht soviel geld um meinen dauernden hunger auf neuen lesestoff alleine kaufen zu können)  aber genau in deinem alter, endeckte ich (für mich)  einen wundervollen ort namens bibliothek in meiner neuen schule, wo man sich bücher ausleihen konnte praktischerweise hatte die auch in den pausen offen und praktischerweise lasen all die anderen kinder, die mich nicht mochten und „komisch“ fanden und sich über mich lustig machten, in den pausen, gar nicht gerne….was ich wieder voll unlogisch fand, wie man so einen ort nicht mögen kann was war noch unlogisch mit 10 jahren? oh ja, mir fällt was ganz lustiges ein, ich weiß nicht, ob dir das schon jemand erklärt hat, das fast alle autisten dazu neigen, dinge wörtlich zu nehmen und deshalb ihre probleme mit redewendungen und sprichwörtern haben ich hatte sie und zwar MASSIVST, zum beispiel habe ich monate überlegt, wie es möglich ist das man die bürgersteige hochklappen kann, ich habe sogar zeichnungen gemacht, wie das vielleicht funktioniert, eine dieser zeichnungen sah meine oma dann, irgendwie war niemand in meiner familie aufgefallen, das ich das nicht begriffen hatte, und oma erklärte mir dann, ungefähr in deinem alter, das menschen komische dinge sagen und was ganz anderes meinen, und ich hatte eine neue leidenschaft: sprache, redewendungen, sprichworte https://www.youtube.com/watch?v=AznX0oz3PoM das ist ein video für autisten, zum erklären, warum andere NT manchmal so komisch reden https://www.youtube.com/watch?v=9maZEyK9gZQ das hier, ist das gleiche, nur für NT manche dieser dinge kann man lernen, wie eine andere sprache, englisch zum beispiel, englisch hat aber auch sprichworte, und die klingen übersetzt voll lustig:“ it’s raining cats and dogs“ heißt zb. das es ganz doll regnet, wörtlich übersetzt heißt es aber: es regnet katzen und hunde“ ich saß also in deinem alter irgendwo im nirgendwo und mir ging es gar nicht so anders wie dir, ich wollte auch freunde, aber nicht irgendwelche, sondern solche, mit denen ich über die  dinge reden konnte, die ich spannend fand, dinosaurier, Star Trek, Perry Rhodan….ich vermißte meine freundin aus der großen stadt, die immer so spannende Ideen hatte, eine zeitlang haben wir uns auch briefe geschrieben, aber nicht lange, irgendwann kam leider von ihr keiner mehr zurück…was mich sehr traurig machte was passierte dann? oh ja, auf dem schulweg meinte so ein größerer NT junge mich immer schubsen und beschimpfen zu müssen, irgendwann hab ich es meinem opa erzählt, eigentlich wollte ich nur das opa mitgeht und mit dem schimpft, das man sowas nicht macht, opa hat mich aber anstattdessen im kampfsport angemeldet, ich hatte glück, es war : http://de.wikipedia.org/wiki/Jiu_Jitsu und ich war wieder der exot, ich war in der ganzen gruppe das einzige mädchen (damals gingen mädchen nicht kämpfen lernen, wieder eine sache, die du dir heute kaum noch vorstellen kannst) ich fand das da voll komisch und schwierig und verwirrend und ich mag auch nicht gerne angefaßt werden, oder andere anfassen, und ich brauchte immer sehr lange, VIEL länger als die anderen in der gruppe, um eine bewegung / technik zu lernen, aber unser lehrer war klasse, der hat das einfach so lange geübt und mir geholfen, bis ich das auch konnte 6 monate später war dann schluss mit auf dem schulweg rumschubsen lassen, der schubser hatte nach einer kostprobe dessen was ich gelernt hatte, die nase voll (er hörte damit auf) und ich war immer noch komisch…anders…aber es gab ein paar kinder, die mich mochten, vielleicht weil da nicht viel an auswahl war, aber ich habe die nächsten jahre zumindest ein paar leute gehabt, die mit mir geredet haben, auch wenn ich größtenteils wenig sagte und mehr beobachtete, was die anderen machten, auch wenn ich da noch nicht verstand warum, größtenteils fand ich deren verhalten sehr, sehr seltsam menschen, die mir ein wenig ähnlich waren, habe ich erst mit 15-16 getroffen, DU hast heute andere möglichkeiten, es gibt minecraft-server die nur für autisten und deren eltern sind, und eltern wissen meistens wo andere autistische kinder sind…. als ich erstmal wußte, es gibt menschen die mich mögen, auch wenn sie nur halb sind wie ich (mein damaliger freund war sehr wahrscheinlich hochbegabt, also ziemlich klug, aber kein autist….aber man kann auch mit „nur“ hochbegabten menschen überleben als freund) , zogen wir wieder weg in die stadt…und der nächste kulturschock kam, ich war 17, alleine, fremd und mein „exoten-bonus“ fiel weg, die stadt in der ich heute noch lebe, ist so schräg, das du in voller mittelalter-verkleidung in eine bäckerei gehen kannst was kaufen, und die verkäuferin dich nur fragt, ob es ein hunnen-lager gibt (karnevals-verein) ich will nicht zuviel vorwegnehmen, die nächsten jahre waren spannend, mit 20 hatte ich ENDLICH den code geknackt, wie man menschen kennenlernt, durch pures nachmachen, was nicht immer sinnvoll ist da mich medizin immer schon fasziniert hatte, machte ich eine lehre in dem bereich, es war der HIMMEL, ich war ohne ende glücklich, ich hatte einen chef, der nicht nur gerne ausbildete, erklärte, wissen vermittelte, nein, ich durfte, als ich dann selber ausgebildet habe, alle experimente mit meinen lehrlingen machen, die mir in den sinn kamen, mir kamen eine menge in den sinn: den zuckergehalt von cola bestimmen, oder um meinen lehrlingen vor augen zu führen, was bakterien sind, ein reagenzglas pfützen-wasser mit zucker füttern und 48 stunden bei 37 grad brüten, kannst du zuhause auch, wenn du ein mikroskop hast, ist spannend irgendwann fand ich medizin nicht mehr genug, weil es gab ja auch menschen, die nicht körperlich krank waren, und trotzdem krank, also lernte ich weiter und weiter und weiter liebes DU 10 jahre alt, das leben ist spannend, du bist nicht alleine, wir sind hier draußen, die erwachsenen autisten, und wir arbeiten daran, das ihr kleinen autisten, eine bessere, verständnisvollere  welt vorfindet…und wir sind da…*hand austreckt* du bist nicht alleine, wir sind VIELE, es gibt uns in jedem land der welt, überlegt mal, du hast n jedem land der welt autistische und NT freunde, die du noch nicht kennst, liebes DU was kann ich also als adhs und bißchen autistisch gut? ich kann mir dinge gut merken, beonsonders einzelheiten, ich kann als adhs gut die zeit vergessen, wenn mich was interessiert, so wie der brief an dich, dafür stelle ich mir mittlerweile wecker ich kann superschöne fotos machen, dusseligerweise weiß ich nicht wie man die hier zeigt,….da muss ich erst innerwelt fragen, eine autistische freundin von mir, die den ganzen programmierkram, viel besser kann als ich…..hey, kleines DU,….das ist vielleicht der wichtigste punkt, niemand kann immer alles können, aber menschen die autisten KENNEN, kennen leute die eine sache so richtg bewunderswert supergut machen 😉 sei stolz auf dich, du bist einer von uns, und das lied hat eine autistische mama, für ihr autistisches kind geschrieben, und eine autistische freundin von mir, die musik ganz supergut kann, die melodie dazu: https://www.youtube.com/watch?v=Hxej3jwyDho

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2 Gedanken zu „mellissandras brief

    • und das schönste am erwachsensein, und ein „bißchen autistisch“ ist, ich hab freunde die mich so mögen, wie ich bin, so richtig so wie ich bin, nicht nur, wenn ich „normal vorspiele“ und ich kann um hilfe bitten, und sagen:“ eh, dat kriege ich jetzt nicht hin“ und dann kommt jemand, der süßerweise AUCH peggy heißt…und hilft mir, dir das lied auch noch zu zeigen: https://www.youtube.com/watch?v=-DXy8F2TOYM#t=11

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