Bin ich unsichtbar?

Autismus und das „große grüne hühnerei“

zur Erklärung: das ist mein Lieblingsspruch, wenn es um Glaubenfragen geht, und jemand nach meiner Meinung die Grenze zur Meinungsfreiheit des nächsten überschreitet “ Meinetwegen kann er/sie an das „Große Grüne Hühnerei glauben, Hauptsache, er/sie fängt nicht an mich davon überzeugen zu wollen, das ich das auch muss!“

…oder die Frage: wie weit geht /muss religiöse Tolleranz gehen?

– zu den Klängen von Imagine Dragons – Radioactive geschrieben, das paßt so schön –

http://www.youtube.com/watch?v=OxAdefmFv7M Imagine Dragons – Radioactive Lyrics (HQ)

Es war an einem wunderschönen Samstag, als ich von einem Autistentreffen nachhause kam, und völlig schockiert innerwelts Erlebnis im Kindergarten las. Ein Artikel, der wie die anderen von innerwelt auch, bestens geeignet ist, Nichtautisten zum Nachdenken zu bringen, zum nachfragen und eventuell zum besser-machen.

Tja, wäre gewesen, wenn da nicht jemand in dem Kommentaren auf einmal das Missionierungsfüllhorn ausgekippt hätte. Das erste „Gott segne Dich und Deine Kinder“ fand ich ja noch nett, die beidenAntworten dannach schon eher grenzwertig, aber jeder findet eben in seinem Leben mit seinen Schwierigkeiten seinen Weg. Ich würde mir persönlich wünschen, das die Leute es auch dabei belassen würden, ich habe nämlich eine ganz ausgeprägte Missionierungsallergie.

Als dann sanft, wie es innerwelts Art ist, angedeutet wurde, das sie kein gläubiger Mensch ist, aber durchaus fähig, den Glauben anderer Menschen zu respektieren, krachte der Missionierungshammer mit voller Wucht ins Blog. Auf einmal kamen Gott und der Teufel ins Spiel, und das unglaublich kalte und herzlose Verhalten der Mitmenschen, innerwelt und den Kindern gegenüber, wurde als Prüfung umgedeutet.

Ich habe dann nochmal versucht, auf das eigentliche Thema des bloposts umzulenken, und (für mich ungewöhnlich zart) angedeutet, das ich mir ein wenig mehr religiöse Tolleranz wünschen würde.

Und *PENG* krachte der Missionierunghammer auch in meine Richtung. Mir wurde aus dem Stand unterstellt, das meine mangelnde soziale Kompetenz ein Werk des Teufels sei, das ich keinen Hilfeversuch gestartet hätte, das kann man nun sehen wie man will, aus meiner Perspektive war mein Kommentar einer, da ich zumindest nachvollziehen kann, wie extrem nervig es ist, wenn man schon genug Probleme hat, und dann noch auf einem rum-moralisiert- missioniert wird.

Ich habe ja persönlich erhebliche Zweifel, das heutzutage das „vergib ihnen, Vater, denn sie wissen nicht, was sie tun“ so wirklich richtig interpretiert wird. Man könnte es auch als eine Warnung davor sehen, anderen Leuten, mit Gewalt, Feuer, Schwert und Scheiterhaufen, den eigenen Glauben überstülpen zu wollen!

Aber das sind wohl die gleichen Leute, die ganze Passagen der Bibel übersehen haben müssen, zb. eine meiner Lieblingsstellen:

Matthäus 10, 34
„Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert!“ Das steht im Matthäus-Evangelium, Kapitel 10, Vers 34, und gesagt hat es Jesus Christus.

Und noch deutlicher als in der Bibel steht es im apokryphen Thomasevangelium, das ja leider einer der ersten Zensur und Umdeutungswellen zum Opfer fiel:

(16) Jesus sprach: Vielleicht denken die Menschen, dass ich gekommen bin, um Frieden auf die Welt zu bringen. Und sie wissen nicht, dass ich gekommen bin, Uneinigkeiten auf die Erde zu bringen, Feuer, Schwert, Krieg. Denn es werden fünf in einem Haus sein: drei werden gegen zwei und zwei werden gegen drei sein, der Vater gegen den Sohn, der Sohn gegen den Vater, und sie werden als Einzelne dastehen.

Als mir dann gedroht wurde, das ich mit der simplen Bitte um etwas Tolleranz, nun agggressives Kampfbeten auslösen würde, fing ich an hinter dem Bildschirm zu grinsen.
Da hatte wohl jemand übersehen, das in „liebe deinen nächsten“ nichts steht, das der den eigenen Glauben teilen muss.

Und da ich gerne mit Musik kommuniziere, hier ein Stück aus meinem Lieblingsmusical:

01 Judas – Heaven on Their Minds 🙂 , oder um es den aggressiven Kampfbetern noch noch deutlicher zu zeigen, wie sie auf mich, und nur auf mich, wirken :

Simon Zealotes , für die autistischen Kampfbeter unter uns übersetze ich gerne die Körpersprache der verschiedenen Hauptfiguren, die das Thema religiöser Fanatismus, meiner Meinung nach unschlagbar gut umgesetzt haben 🙂

Nun ist das nicht so, das ich noch nie gebetet hätte, ich finde in dem Satz: „There is no such thing as an atheist in a foxhole. “ liegt ne Menge Weisheit, und wenn es um das Wohlergehen der eigenen Kinder geht wohl umso mehr.

Eines der für mich nettesten Beispiele, wie missionieren, ungewollt in die falsche (nämlich durchaus religiös neutrale )Richtung abgleiten kann, ist dieses Video:

Battle Cry , der Macher hätte vielleicht auf die wunderschöne asiatische Kata verzichten sollen, die den christlichen Anstrich in meinen Augen relativiert hat.

Kurz und gut, mir wurde ja so neckisch angeboten, das ich auf meinem eigenen blog ja gerne um Schweigen hätte bitten können, …ein Angebot, das ich nicht so wirklich glaube, und es reitzt mich nun mal, das auszuprobieren.

Und da ich eigentlich ein ziemlich tolleranter Mensch bin, würde ich vorschlagen, wir hören uns jetzt alle gemeinsam das hier an: http://www.youtube.com/watch?v=rfKigD3vY8A&feature=related Gayatri Mantra Meditation (Deva Premal) und üben ein wenig Tolleranz! 😉

Tja, und da ein gütiger Gott, welcher weiß ich nicht, mir noch etwas mehr Freizeit geschenkt hat heute, kann ich euch auch noch den Text dazu liefern:

– Freie Übersetzung und Interpretation eines Mantras –

OM BHUR BHUVAH SWAH
TAT SAVITUR VARENYAM
BHARGO DEVASYA DHIMAHI
DHIYO YO NAH PRACHODAYAT

Übersetzung: Die gesamte Erfahrung des Lebens hindurch ist „DAS“ allem zugrundeliegende Natur, alles enthüllende Dasein, das erfüllende EINE. Mögen alle Wesen durch feinen und meditativen Verstand die Genialität eines erleuchteten Bewußtseins erfahren.

(Übersetzung von Anantadas aus dem Englischen:

Throughout the experience of life „THAT“ essential nature illuminating existence is the Adorable ONE. May all beings perceive through subtle and meditative intellect the brilliance of enlightened awareness
(Gayatri Meditation, Sangha ShantiMayi)

Freie Übersetzung des Gayatri Mantras: Der Ursprung und die Wesensgrundlage des vollständigen Daseins und der gesamten Erfahrung des Lebens hindurch ist „DAS“ alles hervorbringende und nährende, verehrungs- und anbetungswürdige, aufklärend erhebende, das glanzvoll strahlend erfüllende EINE. Mögen alle Wesen zu höherer Einsicht und Weisheit geführt werden und durch feinen, klaren, wachen und meditativen Verstand die Genialität eines erleuchteten Bewußtseins erfahren. (Anantadas)

Gayatri – heiligster Vers des Rigveda, wendet sich an die Sonne als Beleber und Inspirierer aller Wesen (Savitri), Gayatri wendet sich an die höchste Intelligenz, die Quelle allen Lichts, mit der Bitte, die begrenzte Intelligenz des Individuums zu beleben, zu nähren und zu inspirieren.

Tat savitur varenyam bhargo devasya dhimahi dhiyo yo nah pracodayat – Wir versenken uns in den erhabenen Glanz des Gottes Savita, der unsere höhere Einsicht inspirieren möge!(Spirituelles Wörterbuch)

Wir meditieren über den Ruhm jenes Ishwara, der das ganze Universum erschaffen hat, der würdig ist, verehrt zu werden, der eine Verkörperung des Wissens und des Lichtes ist, der Sünden und Unwissenheit beseitigt. Möge er unseren Intellekt erleuchten.(Meditation und Mantras)
Wir meditieren über Gott, der das physische, astrale und kausale Universum erschaffen hat, der das höchste Selbst ist, der verehrungswürdig ist, der das Unwissen beseitigt und alles mit seinem Licht erfüllt. Möge er unseren Geist (Intellekt) erleuchten.(Kirtan Heft, Yoga Vidya)

OM – Ursprung der Schöpfung, des Universum; Ausdruck des Absoluten; Verbindungspunkt zwischen absoluter und relativer Welt; Träger aller Daseinsebenen; Manifestation der spirituellen Kraft;

Bhur – Erde; Erdenwelt; materielle Daseinsebene

Bhuvah –Welt zwischen Erden- und Himmelswelt; astrale Daseinsebene

Swah – Himmelswelt; reiner Bewußtseinszustand; kausale/göttliche Daseinsebene

Tat – DAS; Absolute; Unendliche; Alles umfassende und alles beinhaltende

Savitur – Schöpfer

Varenyam – verehrungswürdig; anbetungswürdig

Bhargo – Glanz; Ruhm; Beseitiger der Unwissenheit

Devasya – glänzend; scheinend, strahlend

Dhimahi – Intuition, Meditation; Schaukraft; höhere Einsicht; Wir meditieren

Dhiyo – Intellekt; Verstehen yo nah pracodayat – Welcher unsere höhere Einsicht inspirieren möge

Yo – Der; Wer; Welcher

Nah – Unser

Prachodayat – erleuchten; führen; antreiben

Allen aggressiven Kampfbetern, krampfhaften Gewinnern-wollens, in dem Spiel, das für mich heißt „Mein igaginärer Freund, ist stärker als deiner (das Spiel spielen alle Reiogionen, müsen sie ja auch, werde würde den sonst beim angedrohten Endspiel in IHRER Mannschaft spielen wollen, wenn da jeder so nach seiner Vorliebe glücklich werden dürfte) lege ich durchaus ernsthaft einen Text der mich schon sehr lange begleitet und stark beeindruckt hat, zum nach-denken, ans Herz und in den Kopf

http://www.geo.de/GEOlinoforum/showthread.html?t=46101 Gott, wir brauchen Hilfe…

Und wären wir dann wieder bei meinem „Großen Grünen Hühnerei“ und bei Menschlichkeit und den Kindern von innerwelt. Mit-menschlickeit zeigt sich meiner Meinung nach, nicht am Kreuz oder Thorshammer, nicht an einem 2013 Jahre alten Buch, das man zitieren kann (an die Kampfbeter: versuchts erst gar nicht, ich habe als ich ein Kind war und man Relgion als Schulfach, noch nicht abwählen durfte, mit meiner Lehrerin diskutiert, und dabei die Bibel mehrfach komplett gelesen, mit dem Buch kann man alles beweisen…oder wiederlegen) , sondern nur daran, das man hätte hingehen sollen, und zu den vieren setzen, ich lehne eigentlich das Konzept des Teufels theologisch ab, leugne aber durchaus nicht, das es auf der Straße der Menschlichkeit, viele Stolperfallen gibt, jemand alleine zu lassen, nur weil er befremdlich wirkt, ist, in meinen Augen, die brutalste und schmerzlichste davon!

Ich erzähl euch mal, was in meinen Augen religiöse Tolleranz ist:

Als ich ein Kind war, lebte ich im Westerwald, in einem malerischem 3000 seelen Fleckchen, wo es Sonntags PFLICHT war, für die guten Katholiken, zur Messe zu gehen. Nun hatte meine beste Freundin, nicht die Wahl, sondern hatte sich dem Druck zu beugen.

Was dazu führte, da ich vorher in einer recht großen ebenfalls katolisch dominierten Stadt aufgewachsen war, mit einer wunderschönen alten katholischen Kirchen und einem sehr netten Pfarrer, dem es egal war, das ich evangelisch getauft war,und zu dem wir als Grundschulkinder immer kommen konnten, um Fragen zu stellen, beschloss meiner Freundin Fesellschaft zu leisten.

Ich bin lange in meinem leben, nicht so derart böse angeschaut worden, wie von diesem Westerwälder Pfarrer, gesagt hat er zu mir nie ein Wort, aber auch er konnte die menschenfreundlichere Saat seines Grostadtkollegen nicht völlig ersticken. Letzten Endes haben beide Pfarrer dazu beigetragen, das mein Interesse an Religion nie erlosch, das ich nie aufhörte zu suchen, zu diskutieren und Fragen zu stellen.

Ich möchte euch wirklich nicht ärgern, aber ich würde mich freuen, wenn der eine oder andere, zu ein wenig mehr an reigiöser Tolleranz zu seinem Nächsten, finden würde. Und in diesem Sinne, lege ich euch gleich noch dies hier mit ans Herz:

Desiderata

Gehe gelassen inmitten von Lärm und Hast
und denke an den Frieden der Stille.

So weit als möglich, ohne dich aufzugeben,
sei auf gutem Fuß mit jedermann.
Sprich deine Wahrheit ruhig und klar aus,
und höre Andere an,
auch wenn sie langweilig und unwissend sind,
denn auch sie haben an ihrem Schicksal zu tragen.
Meide die Lauten und Streitsüchtigen.
Sie verwirren den Geist.

Vergleichst du dich mit anderen,
kannst du hochmütig oder verbittert werden,
denn immer wird es Menschen geben,
die bedeutender oder schwächer sind als du.

Erfreue dich am Erreichten und an deinen Plänen.
Bemühe dich um deinen eigenen Werdegang,
wie bescheiden er auch sein mag;
er ist ein fester Besitz im Wandel der Zeit.

Sei vorsichtig bei deinen Geschäften,
denn die Welt ist voller Betrügerei.
Aber lass deswegen das Gute nicht aus den Augen,
denn Tugend ist auch vorhanden:
Viele streben nach Idealen,
und Helden gibt es überall im Leben.

Sei du selbst.
Täusche vor allem keine falschen Gefühle vor.
Sei auch nicht zynisch, wenn es um Liebe geht,
denn trotz aller Öde und Enttäuschung verdorrt sie nicht,
sondern wächst weiter wie Gras.

Höre freundlich auf den Ratschlag des Alters,
und verzichte mit Anmut auf die Dinge der Jugend.

Stärke die Kräfte deines Geistes,
um dich bei plötzlichem Unglück dadurch zu schützen.
Quäle dich nicht mit Wahnbildern.
Viele Ängste kommen aus Erschöpfung und Einsamkeit.

Bei aller angemessenen Disziplin,
sei freundlich zu dir selbst.
Genau wie die Bäume und Sterne,
so bist auch du ein Kind des Universums.
Du hast ein Recht auf deine Existenz.

Und ob du es verstehst oder nicht,
entfaltet sich die Welt so wie sie soll.

Bleibe also in Frieden mit Gott,
was immer er für dich bedeutet,
und was immer deine Sehnsüchte und Mühen
in der lärmenden Verworrenheit des Lebens seien –
bewahre den Frieden in deiner Seele.

Bei allen Täuschungen, Plackereien und zerronnenen Träumen
ist es dennoch eine schöne Welt.

Sei frohgemut. Strebe danach glücklich zu sein.

von Max Ehrmann

innerwelt

Das tut weh,

ich dachte die Zeiten von Mobbing und Ausgrenzung in dem Maße habe ich seit meiner Ausbildungszeit hinter mir gelassen. Weit gefehlt.
Das ich mehr am Rande stehe bei Veranstaltungen, sie eher wenn möglich meide oder mich nicht allzuviel an den Gesprächen beteilige, das mal außen vor. Das ist Realität. Ich habe eh das Talent dazu unsichtbar zu sein, was mir oft auch sehr recht ist.
So auch beim täglichen Abholritual vorm Kindergarten.
Aber sowas wie heute habe ich schon lange nicht mehr erlebt und ich fühlte mich glatt in meine Schulzeit zurückversetzt.

Heute war Kindifest. Im Gemeindesaal wurde das Fest abgehalten und in den Kindergartenräumen gebastelt zwischen den Aufführungen.
Um 10 sollte es anfangen. Also rechtzeitig die Kinder in Bewegung setzen, damit wir pünktlich im Veranstaltungsraum sitzen.
Oben angekommen standen da 8 lange Tischreihen, jeweils 4 auf einer Seite und dazwischen ein Mittelgang. Bis zu diesem Zeitpunkt…

Ursprünglichen Post anzeigen 530 weitere Wörter

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Ein Gedanke zu „Bin ich unsichtbar?

  1. Danke für diesen wirklichen guten Artikel! Danke für die vielen Links!

    Toleranz und Akzeptanz sind sehr wertvolle Güter. Und sie sind selten eine Einbahnstraße.

    Wahre Nächstenliebe zeichnet sich vor allem durch diese beiden Güter aus. Und dadurch kann man echtes Mit-Einander wirklich erreichen.

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