ADHS und Inklusion Pädagogik zwischen Wahn und Wirklichkeit oder: die Hoffnung stirbt zuletzt!

Ein Bericht aus der Realität:

Ich bin eine 50 jährige Mutter (mit ADHS Diagnose und autistischen Zügen) einer mittlerweile 18 jährigen Tochter mit ADHS, die auf eine Regel-Realschule ging. Ich habe also reichlich Gelegenheit gehabt, mich mit diesem Wahnsinn( in meinen Augen sind diese krampfhaften Bestrebungen exakt das, und der hinterhältige Versuch am falschen Ende Geld zu sparen),  auseinander zu setzen.

So gehen die Medien derzeit mit dem Thema ADHS und Schule um:

http://www.spiegel.de/kultur/tv/zappelphilipp-ard-schuldrama-um-einen-jungen-mit-adhs-a-870077.html
http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/barmer-anstieg-bei-aufmerksamkeits-defizit-adhs-a-880255.html

Beide Artikel waren sehr wenig hilfreich für Eltern, die ein Kind mit ADHS auf einer Regelschule haben, was da eigentlich dank Intelligenz auch hingehören würde, was aber von Mitschülern UND Lehrern, aufgrund von mangelhafter Aufklärung und Ausbildung der Lehrer, daran gehindert wird, sein Potential auch erfahren.

Was sagt uns denn Wiki über das Bestreben „Inklusion“?

http://de.wikipedia.org/wiki/Inklusion_%28P%C3%A4dagogik%29

http://de.wikipedia.org/wiki/Inklusion_%28P%C3%A4dagogik%29#Salamanca-Erkl.C3.A4rung
„Das Leitprinzip, das diesem Rahmen zugrunde liegt, besagt, dass Schulen alle Kinder, unabhängig von ihren physischen, intellektuellen, sozialen, emotionalen, sprachlichen oder anderen Fähigkeiten aufnehmen sollen. Das soll behinderte und begabte Kinder einschließen, Kinder von entlegenen oder nomadischen Völkern, von sprachlichen, kulturellen oder ethnischen Minoritäten sowie Kinder von anders benachteiligten Randgruppen oder -gebieten.“

UN-Behindertenrechtskonvention
n der 2006 beschlossenen UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen verpflichten sich die Unterzeichnerstaaten ein inclusive education system (engl., dt. inklusives Bildungssystem) zu errichten, in dem der gemeinsame Unterricht von Schülern mit und ohne Behinderung der Regelfall ist.
Deutschland, Liechtenstein, Österreich und die Schweiz hatten fast ohne die Beteiligung von Betroffenen und deren Verbänden eine deutsche Übersetzung der Konvention abgestimmt. Alle Bemühungen entsprechender Organisationen in diesen Staaten zur Beseitigung von erkannten groben Fehlern scheiterten. So wurde z. B. der im Original der Konvention verwendete englische Begriff Inclusion irreführend mit Integration übersetzt.

1. Weltbericht zur Behinderung

Im Juni 2011 veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation WHO und die Weltbank den 1. weltumfassenden Bericht zur Behinderung, World report on disability.[27]

Große Worte, schöne Visionen, was sagt denn der Gesetzgeber zu dem Thema?

http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/gg/gesamt.pdf

Art 3
(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der
Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat
und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt
werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

http://www.schulministerium.nrw.de/BP/Schulrecht/Gesetze/Schulgesetz.pdf

Ganz vorne findet man einen hoffnungsvollen Paragraphen:
Erster Teil Allgemeine Grundlagen

Erster Abschnitt Auftrag der Schule
§ 1 Recht auf Bildung, Erziehung und individuelle Förderung
(1) Jeder junge Mensch hat ohne Rücksicht auf seine wirtschaftliche Lage und Herkunft und sein Geschlecht ein Recht auf schulische Bildung, Erzie­hung und individuelle Förderung. Dieses Recht wird nach Maßgabe dieses Gesetzes gewährleistet.
(2) Die Fähigkeiten und Neigungen des jungen Menschen sowie der Wille der Eltern bestimmen seinen Bildungsweg. Der Zugang zur schulischen Bildung steht jeder Schülerin und jedem Schüler nach Lernbereitschaft und Leistungsfähigkeit offen.

und wenn man weiterliest, findet man sogar noch deutlicheres:

§ 2 Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule

(8) Der Unterricht soll die Lernfreude der Schülerinnen und Schüler erhal­ten und weiter fördern. Er soll die Schülerinnen und Schüler anregen und befähigen, Strategien und Methoden für ein lebenslanges nachhaltiges Lernen zu entwickeln. Drohendem Leistungsversagen und anderen Beein­trächtigungen von Schülerinnen und Schülern begegnet die Schule unter frühzeitiger Einbeziehung der Eltern mit vorbeugenden Maßnahmen.
(9) Schülerinnen und Schüler mit Entwicklungsverzögerungen oder Behin­derungen werden besonders gefördert, um ihnen durch individuelle Hilfen ein möglichst hohes Maß an schulischer und beruflicher Eingliederung, ge­sellschaftlicher Teilhabe und selbstständiger Lebensgestaltung zu ermög­lichen.

Und wie sieht die Realität aus?

Und so sah sie nicht nur bei mir aus, mich erreichen fast täglich übers Internet neue Informationsbrocken von anderen Eltern, das es nicht nur meiner Tochter und mir so ging:

Meine Tochter wechselte nach einem Aufenthalt (aufgrund einer tragischen Fehldiagnose, von der ich sehr gerne denken würde, das die der Ärztin zumindest fachlich peinlich wäre)  von 4 Jahren in einem „Heilpädagogischen Kinderheim“ wieder Ihren Wohnort zu mir, und ging deswegen, (auch während des Heimaufenthaltes war sie in einer, allerdings sehr straff geführten, und mit primär den altmodischen Frontalunterricht bevorzugenden  Regel-Realschule) auf eine Realschule hier in der Nähe.

Was ich in den dann folgenden Jahren, als Mutter und ausgebildete Therapeutin, erlebt habe, hat mich vollständig den Glauben an die Chancengleichheit unseres Schulsystems, und an die Ehrlichkeit der Motive ihrer Helfer, verlieren lassen.

Meine Tochter hat außer ihrem ADHS noch eine zweite Behinderung, sie ist Asthmatikerin, also ab und an zu krank, oder gar im Krankenhaus. Das mit der Fehldiagnose war, wieder zuhause, schnell geklärt, wir fanden einen Arzt der Erfahrung hatte und nicht nur (sorgfältigst!) die Diagnose stellte, sondern auch, die bei ADHS wichtige Medikation verschrieb, ich war zu diesem Zeitpunkt selbst schon 2 Jahre diagnostiziert und mediziert und konnte meine Tochter bei der Einstellung unterstützen.

Und ab da, fing der Horrortrip für mich und meine Tochter erst richtig an:

Ich ging natürlich zu jedem Elternabend, versuchte die Lehrer zu gewinnen, dafür sich (eigentlich für Lehrer zu diesem Zeitpunkt schon überreichlich im Internet vorhandenes)  Infomaterial, anzuschauen und mit mir als Mutter zusammenzuarbeiten.

Schon die Bitte, das Hausaufgabenheft nach jeder Stunde abzuzeichnen, wurde einhellig von allen Lehrern abgelehnt, ebenso die Annahme von Material, zum Beispiel diese:
http://www.bzga.de/infomaterialien/kinder-und-jugendgesundheit/hyperaktivitaetssyndrom-was-bedeutet-das/
http://www.info-adhs.de/fuer-paedagogen/adhs-im-unterricht.html
http://www.lauth-schlottke.de/infos-lehrer/adhs-schule-lehrer-unterricht.php
http://schuleundgesundheit.hessen.de/themen/chronische-erkrankungen-von-kindern-und-jugendlichen/adhs/material/adhs-info-fuer-lehrkraefte.html

wie Lehrer Kindern mit ADHS im Unterricht behilflich sein könnten.

In der Zwischenzeit wurde meine Tochter das erste Mal von einer Mitschülerin verprügelt, die Rektorin der Schule spielte alles herunter, da sich der Zwischenfall exakt vor dem Schultor ereignete.

Unzweifelhaft hatte auch das Mädchen, was da zugeschlagen hat, ihre Probleme, aber während ich noch den Schock verarbeitete, das eine Rektorin bei offener Gewalt zwischen Mitschülern eiskalt wegsieht, war schon der zweite in Anzug: der erste Elternabend.

Ich saß vor der Klassenlehrerin, wohl wissend, das mein Kind auch mediziert kein Engel ist, und hörte über alle Maße schockiert, das die ganz dreist und offen zugab, meine Tochter ganz besonders streng zu behandeln und zu benoten, schließlich hätte ich ja Jahre an Erziehung versäumt.

Wahrscheinlich ist es meinen autistischen Zügen zu verdanken, das mir in dem Moment schlicht, vor fachlichem und menschlichem Entsetzen, die Sprache fehlte, und ich nur sachlich darauf hinwies, das es eine medizinisch validierte Diagnose, eine Medikation und einen Rechtsanspruch auf einen Nachteilsausgleich gab.
Den Nachsatz, das sich seit dem klassischen Konditionieren Pawlovs, eine Weiterentwicklung in der Pädagogik vollzogen habe, verstand die gute Frau augenscheinlich nicht, …sie stimmte mir begeistert zu, während mein Kind in dem Moment entsetzt den Atem anhielt (der hatte ich den ganzen Lerntheorienkram nämlich mal erklärt, im Gegensatz zu ihrer Lehrerin hatte mein Kind den Satz begriffen).

In den nächsten 3 Jahren behinderte und schikanierte diese Klassenlehrerin meine Tochter wo es nur (und sei es nur noch halblegal, es gab da, ein paar Vorfälle, mit Verletzung der Aufsichtspflicht, seitens der Lehrer dieser Schule, die meine Tochter hätten das Leben kosten können, oder sie in den Rollstuhl bringen) möglich war. Meine Tochter, die eigentlich mal eine sehr gute und aufgeweckte Schülerin mit Spaß am Lernen war, verlor immer mehr den Lebensmut und die Motivation.

Sie wurde aggressiv, natürlich vor allem zuerst zu mir, als Mutter, die immer weiter in der Schule, beim Schulpsychologischen Dienst, sogar bei der ADHS Beauftragten unsrer Stadt, die auch Mitglied des ADHS Netzwerks Köln ist,  http://www.adhsnetz-koeln.de/, und dort große Reden schwingt, im persönlichen Dialog hatte die Dame außer dem Tip Vokabeln mit Karteikarten zu lernen und einer absoluten Verweigerungshaltung bezüglich der Privatschulen in der Region, die sich auf ADHS und AS spezialisiert haben, nichts fachlich relevantes beizutragen.

Im Gegenteil, sie hat meiner Tochter ins Gesicht gesagt, das sie eher eigenhändig dafür sorgt, das sie auf eine Sonderschule kommt, als das ein Schüler mit ADHS, in Ihrem Bezirk, auf eine Privatschule geht!

Irgendwann kam dann ein Zusammenbruch, der kein psychischer war, sondern ein mittlerweile an der Bauchdecke durch eine chronische Entzündung festgepappter Blinddarmfortsatz. Da meiner Tochter, dank der Vorbefunde, mal wieder niemand glaubte, landete sie wieder für 6 Wochen in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie, die zur Abwechslung mal was von ADHS verstand, die Diagnose bestätigte, eine passendere Langzeit- Medikation einstellte (in der Schule wurde meiner Tochter vorher verboten, ihr Handy zu benutzen, um an die Einnahme der zweiten Dosis zu denken!)

Meine Tochter kroch, mit letzter seelischer Kraft,  an diese Schule zurück, die Rektorin mahnte mit gewichtiger Mine, meine Tochter solle sich bemühen, eben nicht mehr so oft krank zu sein, auch die Leiterin des zuständigen Schulamtes schützte lieber ihre Lehrer, und verbog das Gesetz mit nichtssagenden Mails, als einem ADHS Kind zu helfen, ich hatte die Nase voll und klagte auf einen Platz auf einer Privatschule, gegen das Jugendamt.

Wir haben verloren, nicht weil meine Tochter nicht ADHS genug war, sondern weil sie als Verhandlung stattfand, auf dem OP Tisch lag, den Wurmfortsatz ihres Blindarms in einer über 2 stündigen OP verlierend. Nach der Ansicht des Verwaltungsgerichtes war meine Tochter dann doch zu „gesund“ als das man dem Jugendamt die Kosten einer Privatschule hätte zumuten dürfen!

Der bittere Witz an der Sache war, das dass gleiche Jugendamt, noch im Jahr davor, im Rahmen der Diagnosestellung, eine stationäre intensivtherapeutische Heimunterbringung befürwortet hatte….gegen die ich mich, zusammen mit meiner Tochter, erbittert und erfolgreich zur Wehr gesetzt hatte!

Der Satz, der mir als Mutter in all den Jahren, in all den Gesprächen, am meisten haften blieb, war der, das Lehrer an einer Realschule keine pädagogische Ausbildung brauchen, ….und wenn meine Tochter nicht ohne Hilfe klarkäme, gehörte sie eben auf eine Sonderschule!

Wie liebe Lehrer, wollt ihr, ohne jegliches Wissen über ADHS und AS das RECHT, gesetzlich verankerte RECHT, unserer Kinder auf Integration und Inklusion, realisieren, ohne pädagogisches Wissen?!

Geht nicht? Nicht in einer Klasse von 30 Kindern?

Liebe Lehrer, ihr werdet lachen, ich weiß, als Mutter wie viel Arbeit ein Kind mit ADHS oder AS zuhause macht, bei den Hausaufgaben, da werden eure 20 min Einheiten an Hausaufgaben, schon  in der Grundschule gerne mal zu 5 Stunden, voller Qual für Mutter und Kind, mit  Streit und Tränen.

Ich bin für Inklusion, aber NUR dann, wenn das wirkliche Chancengleichheit bedeutet, das eben die „Norm-Neuro-Kids“ auch nicht in der Überzahl sind, und damit wieder eine Norm diktieren.
Wenn es gesonderte Unterrichtseinheiten für die Klasse gibt, worin und wie ihre behinderten Mitschüler das sind, und wie die „Norm-neuro Kids“ ihren Mitschülern helfen können!
Wenn sich Lehrer aber schon mit dem Satz:“ Ich habe es satt, das für Dich ständig Ausnahmen gemacht werden müssen!“ gegenüber von seinem  ADHS durchaus behinderten Schüler derart im Ton vergreifen können, ohne das so was Folgen hat, läuft in unserer Gesellschaft eindeutig was schief!

Ansonsten, ich finde es als Mutter zum Kotzen, das Sonder-/ Förder- oder sonst wie Schulen nur bis Hauptschule gehen, das ist UNFAIR und kurzsichtig!

Warum lebt meine Tochter eigentlich noch?

Ah, doch, es gab da jemand, eine junge sehr idealistische Lehrerin, die Politik und Kunst unterrichtete…eine Kombination die ich persönlich immer noch sehr witzig finde, die mir mal einen „bösen Lehrerbrief“ schrieb.
Ich habe, nicht ahnend, das diese Lehrerin nicht mal über das ADHS meiner Tochter seitens der Klassenlehrerin oder der Schullleitung informiert worden war,  einen bösen ADHS Brief zurückgeschrieben, und einen Termin beim nächsten Elternsprechtag bei ihr gemacht.

Ich war sauer, als ich da ankam, sie begrüßte mich, nach sicherlich ermüdenden Stunden, mit der sichtlich erschöpften Bitte, ob wir das nicht draußen, bei einer Zigarette besprechen könnten… haben wir, war mehr als eine: -) …und sie war elektrisiert, interessiert, sie hat sich eingelesen, suchte aktiv gemeinsam mit mir als Mutter und meiner Tochter nach praktikablen Lösungen,  und hat meine Tochter da unterstützt, wo sie es brauchte, wo mein Kind aber nur faul war (oh doch, auch Kinder mit ADHS sind manchmal nur faul, ich sag nur „Abfall runterbringen“), wurde sie von dieser Lehrerin auch gefordert.

Ich bin mir sicher, in 50 Jahren, wenn meine Tochter ihren Enkeln von Ihrer Schulzeit erzählt, ist das erste und einzige POSITIVE, was ihr einfällt, diese Lehrerin, die noch nicht vergessen hatte, was ihr Beruf ist!

Die das wieder geweckt hat, was meine Tochter eigentlich ist, ein interessierter und intelligenter Mensch, mit ein paar neurobiologisch bedingten Besonderheiten. Diese Lehrerin war da, ansprechbar, auch und grade dann, wenn die Klassenlehrerin meiner Tochter es nicht war, sie war Mensch.

Liebe Lehrer, ich kann mir nicht mal ansatzweise vorstellen, wie stressig euer Job ist, ich bin nicht gegen Inklusion, aber mir ist auch bewusst, wie unendlich schwierig das in einer 30 Kinder Klasse ist, ich habe mal in der Klasse meiner Tochter sozusagen als fast ganz normaler Schüler, an einer Unterrichtseinheit der Klassenlehrerin über Geschichte teilgenommen….

Ich hatte Glück, es war ein Thema was mich interessiert hat, die alten Griechen, ihre Götter und Rechtssprechung, aber das Rumgewusel und die pure Lautstärke in der Klasse, die diese Klassenlehrerin so sichtlich unfähig war, zu regulieren, hätten mich als Schüler, jeden Tag auch kirre gemacht…

Das hier, was in der Schweiz schon stattfindet, kann die Lösung nicht sein:

http://www.nzz.ch/aktuell/zuerich/stadt_region/vorschnell-zu-sonderschuelern-gemacht-1.18016549

Bei dem Satz:

“ Gleichzeitig kommt dem schulpsychologischen Dienst eine neue Rolle zu. Damit auffällige Kinder nicht vorschnell zur Abklärung geschickt werden, muss zuerst schulintern nach adäquaten Unterstützungsmassnahmen und Lösungen gesucht werden.“

kam mir als betroffene Mutter, die das alles schon durchgemacht hat, die Galle hoch. Im Klartext bedeutet der, das hilfesuchenden Eltern ab jetzt dort auch noch massive Hindernisse, bei der Suche nach den Ursachen für die Schulschwierigkeiten ihrer Kinder ins Haus stehen werden.

Grade bei AD(H)S und AS ist die Abklärung ganz klar Aufgabe der Psychiater, übt da ein nicht medizinischer! schulpsychologischer Dienst auf einmal Druck auf die Eltern aus, solche Untersuchungen zu unterlassen, werden wertvolle Jahre vertan, in denen das Kind immer weiter schutzlos, dem Erleben von persönlichem Versagen und Mobbing ausgesetzt wird, ohne das die eigentliche Ursache gefunden wird.

Hier wird ganz klar keine Hilfe geleistet, sondern finanzieller und psychologischer Druck seitens der Politik, gemacht, um Kosten zu sparen.

Deshalb mein Beitrag, Liebe Lehrer, wenn’s nicht geht, wehrt euch, kämpft um mehr Stunden, und mehr Lehrer, um Integrationshelfer, die euch zur Seite stehen können, kämpft um mehr Fortbildung!

Ich hatte als ich Kind war, für meine neurobiologische Besonderheit, gute Lehrer, sie waren streng, aber fair und ich wusste immer was auf „Hausaufgaben nicht machen“ steht. noch mehr Arbeit…. und ich brauchte nicht sonderlich lange, in der 7. Klasse, bis ich wusste das mein neuer Mathematiklehrer sehr kreativ war, im vernichten meiner Freizeit, wenn ich im Unterricht redete oder gar auf dem Stuhl schaukelte, schlimmer noch, der Mann kannte das ganze Mathebuch auswendig.

Mir, mit meiner besonderen Kombination, hat das genutzt, er war auch fair, er behandelt alle Kinder in der Klasse so, meiner Tochter allerdings hätte die gleiche Art von Unterricht, eher geschadet, weil sie aus neurobiologischen Gründen, nicht fähig gewesen wäre, ihr Verhalten so schnell wie ich, zu modifizieren.

Meine Lehrer haben etwas geschafft, was ich mir für die folgenden Generationen wieder wünschen würde, sie haben aus mir einen Menschen gemacht, der begriffen hat, das Lernen Spaß machen kann, der lebenslang nicht aufgehört hat zu lernen, sogar in Fächern, die mich in der Schule zu Tode gelangweilt haben!

Sie haben mir Lernen beigebracht. liebe Lehrer,  fangt doch bitte auch wieder damit an!

Für mehr Gehalt, habt ihr diese Tage demonstriert, wie wäre es mal damit, für ein mehr an sozialer Gerechtigkeit, ein mehr an Stunden, innerhalb eurer Schulklassen, demonstrieren zu gehen?

Zum Schluss, im Rahmen der Bloggertage, liest man ja doch, das eine oder andere Blog ausführlicher, dieser Beitrag hier:

http://erdrandblog.wordpress.com/2012/10/17/dummheit-gebiert-stigma/

hat mich derart schockiert, das ich erstmal meine Tochter angerufen habe, um mich bei ihr zu entschuldigen. Mir war als Mutter, die sich überwiegend in einem gebildeten rücksichtsvollem Umfeld bewegt, nicht bewußt, wie rauh, wie unendlich respektlos und demütigend für Jugendliche mit ADHS, der Umgang, grade der in den angeblich „sozialen“ Netzwerken,wirklich ist.

Liebe Nicht ADHS oder Nicht Autistische Jugendliche da draußen, die ihr auf Twitter und Facebook und sonstwo, euch über Jugendliche mit diesen Syndromen lustig macht, bedenkt eins: jedesmal,  wenn ihr euch draußen bewegt, kann ein Auto, ein unglücklicher Sturz,  euch ganz schnell zum „Behindi“ machen, eine winzige Schwachstelle in euren Gehirn, oder der Kosum von Drogen, können euch ganz schnell einen Schlaganfall oder Herzinfarkt bescheren, euch für immer in einen Rollstuhl bringen, ganz egal wie fit ihr jetzt auch sein mögt.

Ich würde an eurer Stelle mal ganz intensiv darüber nachdenken, das, wenn ihr dann, nach Monaten im Krankenhaus im Kampf um euer Leben, an eure Schule zurückkehrt, vielleicht der einzige Mensch, der euch dann noch zur Seite steht, wenn alle eure „Freunde“ ganz schnell weg sind, weil sie sich nicht mit dem Thema Behinderung auseinandersetzten möchten,  jemand wie meine Tochter ist, das eventuell die Person, die ihr Jahre voher überall ausgelacht habt, diejenige ist, die euch dann die Tür aufhält, die nachfragt ob was wehtut, oder ihr die Hausaufgaben braucht.

Als Mutter, würde ich sagen, das hättet ihr nicht verdient, aber, und das ebenfalls als Mutter, bin ich unendlich stolz auf die Fähigkeit meiner Tochter verzeihen zu können und dann trotzdem zu helfen.

Dieser Beitrag wird im Rahmen der Blogger-Themen-Tage zum Thema Behinderungen, Medien und die Gesellschaft geschrieben.

 

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3 Gedanken zu „ADHS und Inklusion Pädagogik zwischen Wahn und Wirklichkeit oder: die Hoffnung stirbt zuletzt!

  1. Liebe Melli, ich kann deine Erlebnisse gut nachvollziehen. Ich bin Sonderschullehrerin, gestern um 17.00 h war meine Zeit bei #EinfachSein.
    Mein absoluter Lieblingssatz in der Schule ist ja : “ wo kommen wir denn da hin, wenn wir … “
    Lehrer und Lehrerinnen weigern sich häufig Aus-nahmen zu machen. Als wäre die Klasse eine genormte Einheit. Wie ein Karton Konservendosen in Reih und Glied im Regal auszurichten. Bloß das man schon vorher weiß, was da drin zu sein hat.

    Unser Schulsystem ist hoffnungslos veraltet. Menschen sind irrelevant. Das System hat zu funktionieren. Behaviorismus hat Vorrang, Individualpsychologie und Systemik sind noch nicht im Alltag angekommen.

    Als Lehrerin von Schülern mit ADHS bin ich leider auch oft überfordert. Auch hier schlägt das System gnadenlos zu. Ich habe tolle Ideen, meine Schüler auch. Nur kriegen wir das im Alltag nicht hin. Weil ich allein -übrigens auch ADHS-lerin- zuwenig Personal bin, um kreativen, prozessorientierten, schülerorientierten Unterricht zu gestalten. Darunter leide ich sehr. Ich finde jedes Kind hat es verdient genau angeschaut, wahrgenommen zu werden und gefördert zu werden. Doch Konventionen helfen da wenig, wenn Konditionen so wenig Spielraum lassen. Trotz allem lass ich mich nicht unterkriegen und hoffe, du kämpfst weiter für Menschen mit ADHS und klärst die Öffentlichkeit auf.

  2. sylvabrit , ich habe nur eine Frage an Dich und auch an alle anderen Lehrer da draußen: warum wehrt ihr euch dann nicht? Jeder Lehrer, der trotz Engagement und Interesse an dem Thema, jetzt bei der Inklusionsbebatte stillhält, der nicht den direkten Dialog mit den Eltern sucht, hilft der Politik unsere Kinder noch mehr aus einem Schulsystem abseits zu drängen, was sie ohnehin, lieber da haben will, wo noch mehr Leute an Ihnen verdienen können, in so ein Heim zb. wo meine Tochter, dank der Fehldiagnose war! Ich habe manchmal den Eindruck, das die Lehrer selbst, gar nicht wissen, was sie mit manchem anrichten, nicht nur menschlich, sondern auch und vor allem politisch.

  3. Lehrer/in ist ein Beruf. Nur manche sehen darin auch Berufung. So ist es in allen Bereichen. Das Schlimme nur, wenn es berufe sind, die eigentlich dem Menschen dienen sollten, verhindert ein solcher Lehrer/Arzt/Therapeut das es dem Menschen dient. Schlimmer – er schadet und zerstört.
    Dabei gibt es so schöne Berufe. Ohne eigentliche Arbeit am Menschen. Schreiner, Dachdecker, Automechaniker. Niemand muss Lehrer werden, wenn es an Wohlwollen und an Empathiefähigkeit mangelt.
    Die wenigen guten, auf die man manchmal trifft, können allerdings einiges wieder gut machen.
    Kein Schüler ist verloren, solange es einen guten Lehrer gibt, der an diesen Schüler glaubt.

    Dein Bericht lässt einige Erinnerungen wach werden. Ich bin Mutter von vier Kindern. Sowohl meine Kinder als auch ich selber haben AD(H)S und das Asperger-Syndrom. Zähle ich die einzelnen Jahre der Kinder und mein, komme ich auf mittlerweile 58 Schuljahre und wir sind noch immer nicht durch.
    Wie lange dauert die Amtszeit eines Lehrers in etwa?
    Je länder ein Lehrer im Schuldienst ist, desto größer die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung, eines Burnouts, etc.
    Wir dürfen uns da dann durchaus einreihen in die Risikogruppe.

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